Frank Ahlgrimm
"Dem großen Manitu der Kunst zu Ehren", Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.10.2005
   
Pia von Aulock
Stolz auf den ersten Schultag, Kölnische Rundschau, 31.05.2003
Gefühle der Kinder, Kölner Stadtanzeiger, 29.04.2003
Wann sind Paare liebende Paare?, Kölner Stadtanzeiger, 14./15.07.2001
 
Matthias Beckmann


"Aura und Alltag - Zeichnungen ...", Kunstforum International, 03./04.08
Kraftvoll zugegriffen mit wenigen ..., Kölner Stadtanzeiger, 07.03.08
Kirchenbank und Opferstock, Kölnische Rundschau – 26.01.2006, Nr.22,S.24

 
Denes Ghyzy


Was einst vom Sittich übrig bleibt, Kölnische Rundschau - 14.02.2005

 
Mitsy Groenendijks


Kampfbereite Verwandte, Kölnische Rundschau, Do. 01.12.2005

 
David Jolly
und
Christoph Preussmann


Bleiern der Himmel, schief der Horizont, Kölner Stadt Anzeiger, 10.12.2004

 

Das Kartell

Frank Ahlgrimm / Hans Pfrommer / Armin Subke

Guten Morgen Slowakei, Kölnische Rundschau 12.07.2005

 
Svätopulk Mikyta


"Wenn Wände weinen und Jesus turnt", Parthas Verlag GmbH, 2005
Wenn Wände Blut weinen, Kölnische Rundschau, 06.04.2002, Nr. 80

 
Christoph Preussmann


Das poetischste Thema auf Erden, Kölner Stadt Anzeiger, 20.09.2007

 
Johannes Schlichting


Dem Himmel ganz nahe, Nassauische Neue Presse — 12.03.2002

Bilder voller Erinnerung, Kölner Stadtanzeiger - 19.10.2000 - Nr. 243
Johannes Schlichting kreiert "Fluff" , Kölnische Rundschau - 21.09.2000 - Nr. 220

 
Philipp Schönborn


SZ BUCH-TIPP, Süddeutsche Zeitung, SZ Extra, 19.08.2004
Ein Tempel himmlischer Weisheit, Nassauische Neue Presse, 18.12.1998
Pavillon in Molsberg erstrahlt Tag und Nacht, WZ, NR. 291, 15.12. 1998

 
Julia Schrader
Die schaurig- schräge Welt der Julia Schrader, Kölnische Rundschau, 22.03.2004
Angriff der bösen Engel, Kölnische Rundschau, 14.01.2004
Seltsame Echsen ringen um ihre Existenz, Kölner Stadtanzeiger, 08.11.2003
Transgene Kunst: Klone und Mutanten, Kunstforum: Band 157, Nov.-Dez. 2001
Schräge Wesen, Mendener Zeitung, 15.08.2001
Zweiter Blick hinters Geheimnisvolle, Westfalenpost, 14.08.2001 - Nr. 187
Keramik Magazin Nr.5/2000
Angst und Abwehr, Festung und Blöße, Nassauische Presse, 2000
 
Attila Szücz
Gut gemalt - ..., Financial Times Deutschland - 7./8./9. MAI 2004
 
Thomas Thiede
Das Ganze einzufangen ist nicht möglich ..., art kaleidoscope - Heft 2/04
 
Daniela Wolfer
Dynamische Bilder der Zerrissenheit, Kölner Stadt Anzeiger, Nr.293, 18.12.01
 
Pablo Vargas Lugo
Papp-Abdeckung soll Blick fürs ..., Nassauische Neue Presse, 11.07.02
 
Emmanuel Walderdorff Galerie

Inspiriert vom malenden Vetter, Kölner Stadtanzeiger – 10.03.2006
Glücklich, wer weiß, was ein Groovetier ist, FAZ, 30.04.2005
Kulturnews - Citymag, Oktober 2002
Westerwälder Zeitung 31.05.2002

 

 

 

 

Frank Ahlgrimm
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.10.2005

Dem großen Manitu der Kunst zu Ehren

Von Ralf Christofori

Jäger, Sammler und Heimwerker: Ein Rundgang durch Stuttgarter Galerien

Es gibt kein zurück. Zumindest, wenn man sich ohnehin schon weit aus dem Fenster gelehnt hat. Konsens ist langweilig, Durchschnitt niveaulos, Kompromisse ein Ausdruck von Mutlosigkeit. "When is your point of no return", steht auf einer Leinwand des Kölner Malers Frank Ahlgrimm – und dieses Bild steht durchaus für jenes Fenster, aus dem sich der Künstler bereits seit einigen Jahren mit überdurchschnittlicher Kompromisslosigkeit hinauslehnt.

Das verdeutlicht seine erste Einzelausstellung in der Stuttgarter Galerie Reinhard Hauff: Wie Collage wirkt diese Malerei, weil sie sich einfach nicht daran halten will, zwischen Figur und Grund einen konsistenten Unterschied zu machen. Ganz selbstverständlich vereint sie sprachliche und bildnerische Codes. Und genauso konsequent beharrt sie darauf, mutig und unbestechlich zu sein. So erzählt Ahlgrimms großformatiges "storyboard" (16 500 Euro) die Geschichte jenes Manns, der sich aufmachte, die Welt durch Texte zu erklären – und jedoch nur Buchstabenkolonnen fand. In "Selektion" (11 200) kauert das weibliche Alter ego zwischen pastosen Ölfarben und flächigen Industrielacken, während "hunting-ground" (15 500 Euro) den großen Manitu der Malerei besonders herausfordert. Mit sicherer Hand und höchstem Respekt, aber stets mutig. Und wenn es stimmt, dass nur die Mutigsten unter den Jägern in die ewigen Jagdgründe eingehen, dann dürfte Frank Ahlgrimm eine große Karriere als Häuptling beschert sein.

(Bis 22. Oktober 2005) [...]

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Pia von Aulock
Kölnische Rundschau Nummer
31.05.2003

Stolz auf den ersten Schultag

Pia von Aulocks zarte Kinderporträts in der Galerie Walderdorff

von HANNA STYRIE

Bilder wie diese hat jede Familie im Album: Kleinkinder, lachend, spielend oder niedlich schlafend, auf dem Arm der Mutter und mit Geschwistern, Freunden oder dem Hund. Die Malerin Pia von Aulock verfügt über einen reichen Fundus an solchen Aufnahmen, die sie selbst gemacht oder diversen Familienalben entnommen hat.

Kinderfotos ihrer Neffen, der Eltern und der Großeltern dienen ihr als Vorlage für einen Zyklus von Tuschearbeiten, der mehr als 100 Bilder im Format von 40 x 30 cm umfasst. Knapp 80 davon hat Emmanuel Walderdorff für die laufende Galerie-Ausstellung ausgewählt. Zum zweiten Mal schon ist die Stuttgarterin hier mit ihren Bildern präsent, die jetzt drei Generationen im Kindesalter zeigt. Doch nur die äußeren Merkmale - Kleidung und Haar-tracht - unterscheiden sich voneinander.

Die dargestellten Emotionen und die großen Momente im Leben eines Kindes, wie etwa der erste Schultag, wiederholen sich. In zumeist starken Hell-/Dunkel-Kontrasten hat die 1967 geborene Künstlerin eine Reihe einfühlsamer Porträts geschaffen, in denen sich charakteristische kindliche Gefühle ausdrücken — Angst und Erschrecken, Stolz und Vergnügen, Wut und Verwunderung.

Scheinbar wahllos hat Pia von Aulock die Arbeiten gehängt. Schnappschüsse beim Spielen wechseln sich ab mit gestellten Aufnahmen, die die Kinder fein herausgeputzt und sorgfältig platziert zeigen. Jedes der Tuschebilder (400 Euro) hat seine eigene malerische Qualität. Mal flächig, mal mit feinem Pinselstrich, geht Pia von Aulock zu Werke, entwickelt neben harten Kontrasten eine Grau-Skala in feinsten Nuancierungen bei der eindringlichen Wiedergabe alltäglicher Situationen. Beim Gang durch die Ausstellung ergeben sich zahlreiche Identifikationsmomente.

Doch die Künstlerin lädt auch zu anregenden Überlegungen ein: Was wäre etwa geschehen, wenn sich Großvater, Vater und Sohn im Kindesalter begegnet wären? Fragen, die ungeklärt bleiben, die aber fantasievolle gedankliche Ausflüge auslösen.

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Pia von Aulock
Kölner Stadtanzeiger
29.04.2003 S. 2:1

Die Gefühle der Kinder

Die Stuttgarter Künstlerin Pia von Aulock präsentiert eine reizvolle Idee.

Pia von Aulock fotografiert Kinder in alltäglichen Situationen, beim Spielen, in vertrauter Umgebung, mit Verwandten und anderen Kindern. Diese Aufnahmen sowie Kinderfotos von den Eltern und Großeltern der Porträtierten verarbeitet von Aulock zu schwarz-weißen Tuschebildern. Eine Vielzahl der 40 mal 30 Zentimeter großen Blätter zeigt jetzt die, "Emmanuel Walderdorff Galerie". Für den Betrachter der ebenso naiven wie eindringlichen Arbeiten sind die familiären Zuordnungen freilich sekundär, zumal die Künstlerin ihre Werke scheinbar wahllos gehängt hat. Vielmehr geht es von Aulock um charakteristische kindliche Emotionen, die unabhängig von der jeweiligen Epoche oder den Erziehungsidealen auftreten. Drei Kinder-Generationen, die sich auf einer imaginären Zeitebene begegnen.

Freude und Verwunderung, Schmerz und Erstaunen, Spontanität und Wut spiegeln sich in den Gesichtern. Es stellt sich die Frage, was wäre, wenn . . . zum Beispiel Vater, Tochter und deren Großvater sich als Kinder begegnet wären. Welche Gemeinsamkeiten hätten sich ergeben, welche Unterschiede? Pia von Aulocks Generationentreffen im Kindheitsalter wirft zahlreiche Fragen auf, über die man trefflich philosophieren und diskutieren kann. Technik und Malduktus treten dahinter zurück. (EvS)

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Pia von Aulock
Kölner Stadtanzeiger
14./15.07.2001

Wann sind Paare liebende Paare?

Pia von Aulocks Kunst untersucht das Verhältnis der Körper

Jürgen Kisters

"Paarlauf" ist ein Begriff aus dem Eistanz, den die Künstlerin Pia von Aulock (Jahrgang 1967) auf menschliche Paar-Beziehungen schlechthin überträgt.

Ihr "Lauf" zeigt das Paar Mann/Frau allerdings in einer Situation äußerster Ruhe: im Schlaf. In einer Malerei, die gleichermaßen poppig und zurückhaltend ist, dünn lasiert mit viel Weiß und wenigen farbigen Akzenten, hat sie ein halbes Dutzend schlafende Paare in großformatigen Ölbildern gemalt und ganz verschiedene Haltungen des Zueinanders zum Ausdruck gebracht.

Mann und Frau liegen seitlich und voneinander abgewandt. Einer der beiden liegt auf dem Rücken. Sie liegen seitlich hintereinander. Und jeweils einmal liegt einer der beiden mit offenen Augen. Eine Frau und ein Mann (mit honigblonden Haaren) kommen in drei verschiedenen Bildern jeweils in der gleichen Haltung vor, doch nie gemeinsam. Allmählich, mit Blick für Details, erschließt der aufmerksame Beobachter die Paar-Konstellation, in denen stets nur die Haarfarbe und die gemusterte Bettdecke farbig sind. Wie verhalten sich die Körper zueinander? Liegt Distanz in ihrem Miteinander oder äußerste Nähe? Zeigt sich bereits in der Schlafposition, ob ein Paar ein liebendes Paar ist? Und haben sie sich gerade erst kennen gelernt, oder sind sie schon lange zusammen?

Immer sind die Gesichter sanft doch nie liegen die Körper unter einer Decke. Und während die geschlossenen Augen des Schlafs größte Friedlichkeit ausdrücken, bringen die geöffneten Augen die Dimension des Problems in die Paar-Situation. Was zunächst eine zarte malerische Studie zur Paar- Beziehung von Mann und Frau ist, ist zugleich eine Studie zum Thema Schlaf. Der Schlaf als Zustand der Ruhe und Besänftigung in einer hektischen Welt, die durch rasende Bewegung und überaktive Menschen geprägt ist. Gegen das laute Boulevardgeschrei des zeitgenössischen Menschenbilds wollen die Bilder Pia von Aulocks ein stilles Gegen-Bild setzen.

Nicht die unruhigen Szenarios der modernen Informationstechnologien, sondern die Ruhe des Schlafs bringt die Menschen (wieder) einander näher. Und nicht in der fortgesetzten Zurschaustellung seiner Zerrissenheit, sondern in der Vergewisserung seiner vielleicht letzten vertrauten Einheitsempfindung kommen die Menschen zu sich selbst. Während alle Welt auf das Drastische, Extreme schaut widmet Pia von Aulock sich seiner sanften, liebevollen, harmonischen Seite. Und wenn sie dabei die traditionellen Tugenden malerischer Sorgfalt belebt, ist das nur folgerichtig.

Weitere Presse zu Pia von Aulock

 
Matthias Beckmann
Kunstforum International –
Band 190 – März-April 2008

Jürgen Raap


"Aura und Alltag - Zeichnungen und Radierungen"
Emmanuel Walderdorff Galerie, Köln 9. 2. - 11.4.2008

MATTHIAS BECKMANN, "Interview", aus der Serie "transparent – Deutscher Bundestag", 2004, Bleistift /Papier, 35,5 x 26,8 cm

Woran erkennt man eigentlich, dass ein Bundestagsabgeordneter nur ein unbedeutender Hinterbänkler ist? Der Künstler Matthias Beckmann hat mit dem Zeichenstift eine Interview-Szene im Reichstagsgebäude dokumentiert. Nur spärliche drei Reporter scharen sich um den Politiker, während man allabendlich in der "Tagesschau" beobachten kann, wie die prominenteren Kollegen von der Journalistenmenge fast erdrückt werden.
Als Beckmann vor einigen Jahren von Köln nach Berlin zog, begann er, seinen neuen Wohnort mit Skizzenblock und weichem Bleistift zu erkunden. Nicht das "Typische", d.h. nicht das folkloristisch Verbrämte oder touristisch Bekannte interessierte ihn, sondern die Beiläufigkeit einer Tankstelle, die Vertrautheit von Plakaten an der Friedhofsmauer oder die Teilnehmer an der 1. Mai-Demonstration. Wenn Beckmann in Museen oder im Reichstagsgebäude zeichnet, richtet sich sein Blick ebenfalls immer auf das Unprätentiöse: Er hält die Saaldiener des Bundestags an ihrem Schreibtisch im Bild fest, die Warteschlagen vor dem Kassenhäuschen zu einer "Blockbuster"-Ausstellung, die Besucher im Museum, die Ausschilderung, die Überwachungskameras, das Gerät zum Messen des Raumklimas und die Lamellen der Deckenbeleuchtung. Sich als Zeichner im Bundestag frei bewegen zu dürfen, war zunächst gar nicht so einfach gewesen. Erst als Beckmann sich als "Praktikant" bei Franz Müntefering anstellen ließ, durfte er ungehindert auf dem Zeichenblock die Lesetische der Parlamentsbibliothek oder die kyrillische Graffiti festhalten, die russische Soldaten 1945 im zerbombten Reichstag hinterlassen hatten.

Dass ein Künstler einer selbst gewählten Thematik so intensiv mit dem Zeichenstift nachgeht, ist heute ungewöhnlich. Im kommerziellen Ausstellungsbetrieb werden Handzeichnungen ja normalerweise recht selten ausgestellt. Doch man spürt, wie bei Beckmann das Festhalten des Szenarios lediglich in Konturlinien ohne jegliche Schraffur zu einer eigenen Ästhetik führt, die sich von jener der Malerei oder Fotografie klar unterscheidet. Dies gilt auch dann, wenn sich Matthias Beckmann beim Zeichnen einer "Kameraperspektive" bedient: Er "zoomt" sich nah an Ausschnitte eines Sujets heran, oder er wählt den weiten Blickwinkel eines Panoramas, wie es auch ein Fotograf tun würde.
Zugleich dokumentiert er die musealen Ausstellungsstücke so, wie die Kunsthistoriker und Archäologen sie niemals fotografieren lassen würden. Da erfasst er in der Berliner Abguss-Sammlung antiker Plastik die berühmte Laokoon-Gruppe ganz bewusst nur ausschnitthaft, und bei der "Sphinx" lenkt erst einmal der Handlauf des Geländers das Auge des Betrachters ab. Beim "Gänsewürger" ragt ein Flaschenzug ins Bild. In der Abbildung eines Museumskatalogs würde er stören, oder man würde ihn bei der Betrachtung ignorieren. Bei Beckmann wird er hingegen zum zweiten Hauptmotiv. Bisweilen lenkt Matthias Beckmann sein bildliches Interesse mit Vorliebe auf komische oder paradoxe Effekte, wenn er etwa einen Studenten zeichnet, der im Museum sitzt und zeichnet. Oder er zeichnet das Schild "Fotografieren verboten".
Im Laufe der Zeit gewann Beckmann jede Menge Einsichten in das Wahrnehmungsverhalten von Ausstellungsbesuchern, und diese Einsichten können museumssoziologisch durchaus von Bedeutung sein. So hat er z.B. beobachtet, dass die Besucher am längsten vor Videos und Schrifttafeln verweilen, sich die Gemälde aber oft nur kurz anschauen. Als Zeichner kann sich Beckmann in den Ausstellungssälen viel diskreter bewegen als ein Fotograf mit einem Equipment, den ein Besucher bei seiner müßigen Kunstbetrachtung sofort mit einem gewissen Unwillen als paparazzihaften Voyeur empfinden würde.
Alle Zeichnungen entstehen vor Ort. Beckmann nimmt grundsätzlich keine Korrekturen aus formalästhetisch-kompositorischen Gründen vor. Ob das Blatt die Ansicht einer Skulptur von oben oder die eigentliche Schauseite von vorne zeigt: Die Wahl der Perspektive beruht immer auf der unmittelbaren Wahrnehmung, nicht auf der Konstruktion. In der Charlottenburger Studiensammlung stehen die einzelnen Exponate der Abguss-Sammlung antiker Plastik tatsächlich so eng zusammen wie sonst nur in einem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Depot. Auch über solche museologischen Inszenierungsstrategien erfährt man einiges bei Matthias Beckmann, der seine Ausstellung bei Emmanuel Walderdorff folgerichtigerweise mit "Aura und Alltag" betitelt hat. Wobei über das Auratische Beckmanns Blättern zu entnehmen wäre, dass es im Parlamentsgebäude und in den einst bildungsbürgerlich abgeschotteten Museen heute unbefangener zugeht als zu Kaiser Wilhelms Zeiten, und das ist letztlich doch ein gutes Zeichen für die erfolgte Demokratisierung des Polit- wie des Kulturbetriebs.


 
Matthias Beckmann
Kölner Stadtanzeiger
Fr., 7. März 2008, Kultur, S.26

Kraftvoll zugegriffen mit wenigen Bleistift-Linien

Die Zeichnung ist die Königsdisziplin in der Kunst - nicht nur, weil sie auf die archaischen Anfänge aller Kunst zurückführt. Vor allem zeigt sie, dass es möglich ist, mit wenigen Strichen eine individuelle Spur zu zeichnen. Kalkül und Verspieltheit, schematische Vereinfachung in Skizze oder Illustration, räumliche Studien oder figürliche Einfachheit finden auf einem Blatt Papier den Ausdruck von Klarheit. So in der Ausstellung von Matthias Beckmann bei Walderdorff.

Der 1965 geborene Künstler, früher in Köln, heute in Berlin ansässig, ist ein Meister der präzisen Linie, stets gezogen mit einem Bleistift der Stärke 2B. Leichthändig, im fließend freien Lauf und mit sicherem Gespür für die Figur zeichnet er seine Szenerien. Sie haben Sinn für all das Absurde, das die Existenz im Alleinsein und noch mehr im Miteinander kennzeichnet. Beckmann zeichnet alles: Momentaufnahmen im Straßengeschehen, den Besuch beim Zahnarzt, und immer wieder Ausschnitte der Interieurs von Museen. Die Vereinfachung seiner Konturlinien ist dabei nur eine scheinbare. Das bemerken wir spätestens in den Motivserien seiner Leporellos, wenn die Zeichnungen über Eck reichen und Perspektivwechsel den Blick bestimmen.

Mit souveränem kompositorischem Geschick gelingt Beckmann eine verblüffende Balance von Ernsthaftigkeit und Gewitztheit. Meisterlich ist vor allem sein Sinn für die Leere des Raumes, die der Leere des weißen Papiers und der Leere in der menschlichen Erfahrung entspricht. So schärft er den Blick für die Menschen und die Gegenstände und dafür, was zwischen ihnen geschieht: im Raum, der plötzlich eng wird oder in Momenten des Übergangs, in denen das Leben ins Fließen oder ins Stolpern gerät. Beckmann lässt uns zweifeln, ob das, was wir sehen, das ist, was wir sehen. Und damit ist er mit seinen Zeichnungen auf der Höhe der Zeit und pflegt zugleich den Respekt vor der Tradition der Zeichenkunst (Preise 500 bis 3400 Euro). (Jürgen Kisters)

 

 
Matthias Beckmann
Kölnische Rundschau
26.01.2006, Nr.22,S.24

Kirchenbank und Opferstock
Galerie Walderdorff zeigt Matthias Beckmanns Zeichnungen

von Hanna Styrie

Der Zeichner Matthias Beckmann hat ein besonderes Interesse an der Architektur von Kirchen- und Museumsräumen, die er in klaren Bleistift Zeichnungen festhält. Beckmanns Aufmerksamkeit gilt dabei nicht nur der Monumentalität der Bauwerke und ihrer Kunstschätze, sondern auch so banalen Details wie Kirchenbänken und Verbotsschildern, Opferstöcken und Blumenschmuck. 2002/03 entstand in den Romanischen Kirchen Kölns eine gut 50 Arbeiten umfassende Serie, aus der die Emmanuel Walderdorff Galerie jetzt eine Auswahl zeigt.

Sachlich und nüchtern fällt die zeichnerische Bestandsaufnahme aus. Mit durchgezogenen Linien bildet Beckmann markante Ansichten und Details ab. Durch die Schlichtheit der Zeichnungen, die auf Schraffuren und Hell-Dunkel-Partien völlig verzichten, verändert Beckmann ebenso den Blick auf die sakralen Räume wie durch seine eigenwillige Motivauswahl und die ungewohnten Perspektiven. Fast fotografisch wirkt es, wenn Beckmann ein Motiv immer stärker "heranzoomt", wie z.B. in St. Cäcilien bei der auf einem Esel reitenden Christusfigur, die frontal und seitlich umkreist wird. Gern zeichnet er auch aus der Froschperspektive, mit der er dem Betrachter die hierarchische Blickrichtung der Kirchen vergegenwärtigt. Häufig aber blendet Beckmann die obere Körperhälfte der Heiligen einfach aus und rückt Sockel und Beinhaltung in den Mittelpunkt. So konterkariert er die Ehrfurchtshaltung, wahrt durch die Sorgfalt seiner Zeichnung aber zugleich den Respekt vor dem Motiv.

Ähnliche Verknappungen kennzeichnen auch Blätter, die im Kölner Museum Ludwig und in der Berliner Flick-Collection entstanden sind. Hier hat der Wahlberliner ebenfalls ungewöhnliche Ausschnitte festgehalten, so dass man auch hinreichend bekannte Räume neu erleben kann (Preise 380 bzw. 450 Euro)

 
Denes Ghyzy
Kölnische Rundschau- Montag 14. Februar 2005- Seite 20

Was einst vom Sittich übrig bleibt
Südstadt- Galerien luden zu ihren Vernissagen- Gegenständliches bevorzugt 

Von Hanna StyrieDie Lady wirkt völlig losgelöst. Entspannt genießt die Schöne die Wirkung des Badeschaums, der nur Nase, Mund und Auge freilässt. Denes Ghyczy hat seinem Modell die "Schaummaske" so täuschend echt auf das Gesicht gepinselt, dass sie zum Greifen nah erscheint. Gegenständliche Malerei einer jungen Künstlergeneration, die oft bis zur fotorealistischen Abbildung vorangetrieben wird, beherrscht derzeit maßgeblich die Szene in den Südstadt- Galerien, die ihre Vernissagen jetzt erstmalig auf einen Samstagnachmittag gelegt hatten.Denes Ghyczy ist in der Emmanuel Walderdorff Galerie bereits zum zweiten Mal vertreten. Dem Spiel mit Licht, das sich in Glas und Spiegeln bricht, gilt seit langem sein Interesse. In jüngster Zeit befasst sich Ghyczy mit landschaftlichen und floralen Motiven, die sich leicht verschwommen über die Leinwand ausbreiten. Davor rückt er gestochen scharfe Raumkörper ins Bild- eine spannungsreiche Symbiose (2000-2800 Euro, Rolandstr. 103. Bis 23.4. Di.- Fr. 11- 13 u. 14- 18 Uhr, Sa. 11- 15 Uhr). ...

 
Mitsy Groenendijks
Kölnische Rundschau
Do. 01.12.2005

Kampfbereite Verwandte
Mitsy Groenendijks "Affen" in der Galerie Walderdorff

Von Hanna Styrie

Der Affe ist das Tier, das dem Menschen am nächsten steht – im Hinblick auf die Physiognomie, aber auch, was die Verkörperung menschlicher Eigenschaften angeht. Die holländische Künstlerin Mitsy Groenendijk macht Affen seit einiger Zeit zum Hauptthema ihres Schaffens: In Zeichnungen und Skulpturen sucht sie dem Wesen auf die Spur zu kommen, in dem wir uns auf so eigentümliche Weise wieder erkennen können. Emmanuel Walderdorff präsentiert in seiner Galerie derzeit eine Werkschau, in der aus Ton und Gips geformte und mit Acrylfarben bemalte Schimpansen menschliche Verhaltensweisen und Rituale parodieren.

Mal-Schablone für zu Hause

Da gibt es den "Warrior" (Krieger) in kampfbereiter Pose, einen Macho, der jedem Angriff heroisch trotzt; oder das "Laboratoire beauté", in dem sich drei Affen ihrer Schönheit widmen.

Die Doppelfigur mit ausgestrecktem Arm verkörpert auf einleuchtende Weise Unentschlossenheit und Zerissenheit. Manche dieser Gesellen schreiben mit einem Pinsel Wörter an die Wand und verbinden sich auf diese Weise mit dem Raum – Käufer bekommen eine Schablone mitgeliefert, damit sie den Schriftzug auf die Wand anbringen können.

Mit ihrer grellbunten Bemalung, den funkelnden Glasaugen und den grotesken Posen sind die etwa kleinkindgroßen Figuren freilich kein exaktes Abbild ihrer Artgenossen, sondern changieren zwischen Kult und Kitsch. Von der intensiven Beschäftigung der Künstlerin mit der Spezies künden ein großformatiges Portrait und eine Serie von Zeichnungen, die Mitsy Groenendijk mit Kugelschreiber aufs Papier bringt. Mehr als 200 Stück sind bislang entstanden, in denen sie Mimik und Gestik erforscht – wen wundert’s, dass da verblüffende Ähnlichkeiten mit den Menschen zutage treten....

Skulpturen kosten zwischen 2200 und 3500 Euro, Zeichnungen 200 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (15 Euro) sowie eine limitierte Vorzugsausgabe mit einer Originalzeichnung (220 Euro).

 

David Jolly
und
Christoph Preussmann
Kölner Stadt Anzeiger- Nr. 289- Freitag, 10.12.2004

Bleiern der Himmel, schief der Horizont
"Analogien" von Christoph Preussmann und David Jolly bei Emmanuel Walderdorff 

Von jdb
Die Ausstellung geht auf die Freundschaft der beiden Künstler zurück.Die von einer tief liegenden cineastischen Obsession zeugenden, flirrenden Zeichnungen des Kölners Christoph Preussmann (Jahrgang 1961) treffen in der Emmanuel Walderdorff Galerie auf die nicht minder medial gefilterten Blickwinkel des elf Jahre jüngeren Australiers David Jolly. Zugrunde liegt der mit "Analogien" überschriebenen Ausstellung eine längere Künstlerfreundschaft. Von Jolly sind Arbeiten aus seiner "Woomera"- Serie zu sehen, die ihm in Australien einige Aufmerksamkeit verschafft hat. Bei einem "Road trip" zu dem berüchtigten Asylantencamp hat der in Melbourne lebende Künstler eine Fülle fotografischer Aufnahmen gemacht und einige wenige in Öl hinter Glas übertragen. Bleierne Himmel und schiefe Horizonte, ein in der Steppe gestrandetes Autowrack, elegisch rostende Absperrungen, aber auch ein fast schon kitschig glühender Abendhimmel geraten in Jollys gefühlsreduzierter und menschenleerer Malerei zu Zeichen mit widersprüchlichen Inhalten und extrem romantischer Stimmung.Auch Preussmann filtriert aus scheinbar nebensächlichen Motiven (aus Nouvelle- Vague- Filmen oder Filmplakaten) allgemeiner gültige Aussagen. Ein besonders reizvolles Beispiel ist seine Dame in hinten sündhaft tief ausgeschnittenen schwarzen Kleid. Sie verspricht eine nostalgisch parfümierte Erotik, die noch nicht durch das feministische Fegefeuer gegangen ist- rasch war sie verkauft (Preise 2000 bis 2900 Euro).

Das Kartell: Frank Ahlgrimm / Hans Pfrommer / Armin Subke

Kölnische Rundschau
12.07.2005

Guten Morgen Slowakei

von Hanna Styrie

Die Künstlergruppe "Das Kartell" beweist bei Walderdorff Kreativität und schwarzen Humor.Zur Künstlergruppe "Das Kartell" schlossen sich 2004 drei Geistesverwandte zusammen. Seither machen der Kölner Frank Ahlgrimm und seine Stuttgarter Kollegen Hans Pfrommer und Armin Subke durch gemeinsame Performances, Buchprojekte, Konzerte und Ausstellungen auf sich aufmerksam. Die  jüngste Tat des munteren Trios ist eine gemeinsame Show in der Emmanuel Walderdorff Galerie.

Schwarzen Humor und eine Portion Sarkasmus haben sie gemeinsam, auch den Hang zu ausschweifenden Bildtiteln und die Verwendung von Zitaten aus der Kunstgeschichte. Ansonsten erschließt sich bereits nach kurzem Hinsehen die individuelle Handschrift jedes Künstlers.

Frank Ahlgrimm ist der Zeichner im "Kartell". Schwerelos und spontan wirken seine Arbeiten auf den ersten Blick und doch steckt dahinter eine malerische Intellektualität, ein ironischer Blick auf die Welt und ihre Mechanismen. "Entscheidungshilfen" hat er seine Serie betitelt, in der simple Fliegenklatschen symbolische Bedeutung erreichen. Zynisch-provokant kommt da manches Blatt daher, dessen bildsprachliche Rhetorik gelegentlich an Comics erinnert.

Akribisch gemalte Würstchen

Armin Subkes Großformate mit dem Titel "Guten Morgen Slowakei" beherrschen den Eingangsraum. Akribisch hat der 40-Jährige ein deftiges Frühstück auf die Spitzentischdecke aus Plastik gemalt: Würstchenpaar, Brötchen und Suppe samt undefinierbarer Einlage wirken zum Greifen nah. Nur postkartengroß ist hingegen das vierteilige Selbstporträt "Ich werde mal kurz konkret". Zeichnungen unter dem Titel "Tragischer Vorfall am Bodensee" erzählen ein böses Märchen und sind ein typisches Beispiel dafür, wie Subke traditionelle Stilmittel verfremdet.

Hans Pfrommer (Jg. 1969) ist der jüngste im Bunde. Wissenschaftsmagazine, Nachrichtengensendungen und Boulevardklatsch bieten ihm unerschöpflich Inspiration.Als Beobachter und Kommentator, Zeitkritiker und Philosoph spießt er auf, was ihm tagtäglich begegnet. "Die Banane für Linkshänder ist ja wohl das Allerletzte, womit sich Genmanipulation rechtfertigen ließe" schreibt er unter ein Ölbild, auf dem anstelle des Zeigefingers eine Banane aus der Hand wächst. Pfrommer treibt ein intelligentes Verwirrspiel mit Zitaten und Symbolen, schockiert und amüsiert. Preise von 350 bis 2 900 Euro.

 

 

Svätopluk Mikyta
Aus dem Buch:
Europa für Szenegänger
Parthas Verlag GmbH, 2005
ISBN 3-86601-165-2
Kapitell: Slowakei, Bratislava, Kunstszene (S.111 und 112)

Wenn Wände weinen und Jesus turn

Uta von Debschitz

[...] Michals Studienfreund Svätopluk Mikyta (*1973) war Stipendiat für längere Zeit in Stuttgart und Berlin. Jetzt wendet er sich dem zu, "was wir sind und haben – aber nicht im Sinne von Folklore". Sväto hat den Eindruck, dass sich die europäischen Kulturen immer mehr angleichen, aber viele slowakische Künstler kaum darüber nachdenken, was ihre Kultur so besonders macht. Deshalb seien sie anfällig für globalisierende und nationalistische Tendenzen. "Mein Blick auf die slowakische Kultur verändert sich ständig, indem ich meine Erfahrungen über die Grenzen hin- und hertrage."

Als Zeichner und Bildhauer spielt Sväto mit verschiedenen Stilen und Medien. Fast täglich bringt er minimalistische Zeichnungen zu Papier. Dabei ist aus aktuellem Anlass auch schon mal eine Papst-Serie entstanden. Fotos aus alten Bildbänden verfremdet er zeichnerisch und stellt sie zu "Miniaturenschwärmen" zusammen. Als Keramiker brennt er aus feinstem Porzellan hochglänzende Blutstropfen für eine "Weinende Wand" oder er malt große Wappenteller, auf denen er historische Heraldikelemente mit irritierenden Phantasie- und Alltagsgegenständen kombiniert.

Aber er kann auch anders, pult beispielsweise aus den Köpfen von zwölf Sonnenblumen mosaikähnliche Gesichter, die er zu einem "letzten Abendmahl" gruppiert oder er dreht ein Video an der winterlichen Burgruine Devin. Ab und zu verkauft Sväto etwas über private Kontakte oder über seinen Kölner Galeristen.

Auf dem slowakischen Kunstmarkt, meint er, seien allerdings nur vor 1960 entstandene oder eher dekorativ-gefällige Werke gefragt. "Den Leuten, die Geld haben  - also vor allem japanischen Touristen und neureichen Unternehmern – fehlt das Verständnis und den slowakischen Intellektuellen fehlt das Geld", stellt auch Erika Trnká fest. [...]

Weitere Presse zu Svätopluk Mikyta

 
Svätopluk Mikyta
Kölnische Rundschau
06.04.2002, Nr. 80

Wenn Wände Blut weinen

Von Hanna Styrie

Schon seit längerem beobachtet Emmanuel Walderdorff den slowakischen Künstler Svätopluk Mikyta, der an der Kunstakademie in Stuttgart studiert hat. Jetzt richtet er dem 29-Jährigen seine erste Einzelausstellung in Deutschland aus.

Walderdorff zeigt zwei Arbeitsbereiche Mikytas, der sowohl als Zeichner wie als Keramiker tätig ist. In beiden Fällen beeindruckt er durch subtile Irritationen. Dass die blutroten Tropfen und Spritzer, die aus der weißen Wand hinabrinnen, aus Porzellan sind, zeigt sich erst auf den zweiten Blick. Hauchzart hat der Künstler das Material ausgewalzt, das durch die hochglänzende Glasur eine überraschende Plastizität gewinnt. Wie virtuos der als Zeichner ausgebildete Künstler mit dem Werkstoff Porzellan umzugehen versteht, lässt sich auch am Beispiel der Arbeit „Holz aus Porzellan" ablesen. Hier hat Mikyta 65 täuschend echt wirkende Holzscheite geschaffen, denen der Raku-Brand eine natürliche Färbung verliehen hat. Der wie zufällig in einer Ecke des Kellerraumes aufgeschichtete Haufen gewinnt durch die raffinierte materielle Umwandlung skulpturalen Charakter.

Auch als Zeichner spielt Svätopluk Mikyta mit dem Material. Mit schwarzem Stift und Radiergummi hat er fotografische Vorlagen aus alten Büchern auf sublime Weise verfremdet. Mikytas Faible für Aufnahmen von sportlichen Wettkämpfen ist dabei offensichtlich. Gelegentlich nimmt er nur eine minimale Verzerrung der Gesichtszüge vor, bringt Unschärfen und Schattierungen ins Bild; stellenweise aber lässt er Figuren

und Gegenstände gänzlich verschwinden. Durch behutsame Manipulationen bricht er so Sehgewohnheiten auf und stellt neue Zusammenhänge her.

Weitere Presse zu Svätopluk Mikyta

 

 

Christoph Preussmann
Kölner Stadt-Anzeiger
Nr. 219 – 20.09.2007, S. 28, Kultur

Das poetischste Thema auf Erden

Von Bettina Deschler

Zuwachs für die Innenstadt – "Schnittraum" firmiert jetzt als Galerie

Neu eröffnet hat die Galerie Clages in der Brüssler Straße.
Emmanuel Walderdorff hat neue Räume an der Jülicher Straße bezogen:
Rundgang durch soeben eröffnet Ausstellungen.

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In der Nachbarschaft von Clages und dem Schnittraum hat die ehemals in der Südstadt angesiedelte Emmanuel Walderdorff Galerie neue Räume bezogen. Ihre erste Ausstellung präsentiert Arbeiten von Christoph Preussmann (geboren 1961). Unter den Titel "Differentielle Verweisungen" bezieht Preussmann sich auf Jacques Derrida und verwehrt sich gegen die formale und inhaltliche Eindeutigkeit von Bildern. Dabei ist sofort die Uneindeutigkeit der Technik augenfällig, mit der er die Grenzen zwischen zwischen Malerei, Zeichnung und Fotografie in der Wahrnehmung verwischt. Erst beim näheren Hinsehen erkennt man die Textur des schweren Papiers, das zur flachen Schachtel gefaltet die Dimension einer Leinwand erlangt, auf die mit Farbstift und Aquarell gezeichnet wird.
Der eindeutigen Zuordnung entziehen sich auch die Motive, die unzähligen medial vermittelten Bildern entlehnt sind und sich auf keinen Ursprung mehr zurückführen lassen. So offenbaren sich Preussmanns Motive als Spuren, deren Verlauf nicht rekonstruierbar sind. Filmische Impressionen, private Schnappschüsse oder Illustrationen erscheinen verfremdet und in ihrer Zufälligkeit und Flüchtigkeit einer unmittelbaren Fassbarkeit entzogen (450 bis 11000 Euro).

Weitere Presse zu Christoph Preussmann

 
Johannes Schlichting
Nassauische Neue Presse
12.03.2002

Dem Himmel ganz nahe

Nicola van Bebber, Molsberg.

Musik, so heißt es bei E.T.A. Hoffmann, erschließt dem Menschen ein unbekanntes Reich eine Welt, die nicht mit der Wirklichkeit gemein hat. Märchen stehen für über Generationen hinweg überlieferte Erzählungen, in denen die Grenze zwischen Wirklichkeit und Wunderbarem aufgehoben ist. Musik und Märchen - zwei Sujets, die gerade aufgrund dieser Definitionen eine psychologisch vieldeutige Symbiose eingehen können. Eine solche Kombination muss demzufolge ein ganz besonderes Kunstwerk sein — eine Kreation, die Betrachter und Zuhörer eine gerade zu extraordinäre Erfahrung ermöglicht, nämlich einen Zugang zum eigenen Unterbewußtsein.

Skuril-kapriziös

Eine besonders eigenwillige Verbindung dieser beiden Kunstexpressionen ist derzeit für Besucher der achten Ausstellung im Pavillon des Schlosses Molsberg erfahrbar: "Nachtstück" heißt die zunächst skuril-kapriziös wirkende Installation des Stuttgarter Künstlers Johannes Schlichting, welche derzeit in Molsberg zu sehen ist. "Nachtstück" besteht aus zwei Teilen, der Musik und dem Bild, ebenso wie die Medaille zwei Kehrseiten hat", erläutert Emmanuel Graf von Walderdorff seine Exposition. Für den Kölner Galeristen ist "Nachtstück" eine „Verkörperung von Musik, die Darstellung einer Komposition, Spieluhr und Konzert zugleich. In der kreisenden Bewegung lösen sich die Grenzen von Klang- und Bildwelten, die zu neuer Gestalt verschmelzen."

Formal gesehen handelt es sich um ein Spiel mit der Zahl 14: zweimal 14 Phasen, jede aus 14 Takten, gesetzt für vier gedachte Instrumente: Ein Variationenwerk über ein 14-taktiges Thema. Und obwohl die Musik auf Computer-Basis kreiert wurde, steht sie doch im Gegensatz zu der schnellebigen Oberflächlichkeit, für welche das ,Instrument" eigentlich steht. Denn für "Nachtstück" braucht der Betrachter Zeit: Eben die 15 Minuten der Komposition, die beim Betreten des Pavillons zu hören sind. Zeit genug, sich Gedanken über das Bildhafte zu machen, das den Betrachter dort erwartet: sieben auf zylindrische Lampenschirme angebrachte Bilder, Märchenmotive aus einem antiken Bilderbuch während des Musikstückes rotieren die Leuchtkörper. Der Eindruck ist, wie immer im Molsberger Pavillon, etwas ganz Besonderes: Durch das Zusammenspiel zwischen dem rein Sichtbaren und dem Auditiven eröffnen sich dem Besucher neue, innere Welten, ungeahnte Projektionsmöglichkeiten.

Sphärische Eindrücke

Die Musik verstärkt das märchenhaft Schwebende der Lampen. Durch die ganz eigene Akustik des Pavillons entstehen bizarre sphärische Eindrücke: poetische Anklänge, zart, meditativ, melancholisch-märchenhafte Kindheitserinnerungen beschwörend. Aber es gibt auch surreale, an Psychothriller erinnernde Effekte - je nachdem, welches Motiv der rotierenden Lampenschirme gerade im Blick des Betrachters weilt. Eine Wirkung, die Johannes Schlichting durchaus intendiert hat: Die Nähe des Unheimlichen und des Idyllischen soll spürbar werden. So wirkt "Nachtstück" durchaus "anstößig": als Impuls, sich sowohl mit den Abgründen der (eigenen) menschlichen Existenz, aber auch mit deren Ursprüngen zu befassen - den Synonymen, mit denen eben Kindheit besetzt ist: Reinheit und Behutsamkeit, Zartheit und Zaghaftigkeit, kurz: Sensibilität. "Nachtstück" als Mahnung zur Rückbesinnung auf humane Werte, als Memento an die Notwendigkeit der Einbindung philosophischer Erkenntnisse beim Umgang mit der Wirklichkeit? Eine bildnerisch vieldeutige Polyphonie? Der Stuttgarter Künstler will da keine explizite Deutung vornehmen: "In jedem Fall ist es die Kombination einzelner Motive zu einem neuen Text. Die Musik ist nicht nur Geräusch oder Raumklang, sondern eine Komposition, die Durchführung eines Themas wie bei einer Symphonie.": Die individuellen Assoziationen beim Betrachten der Motive und gleichzeitigem Wirken der Musik sollen in jedem Betrachter Neues entstehen lassen. Schlichting: „Vertrautes stößt auf Fremdes. Solcherart neu kombiniert lässt es sich nicht in Schubladen ablegen..."

Wie dem auch sei: Musik steht für die Freiheit des Geistes, Märchen für das Eingreifen übernatürlicher Kräfte in das Alltagsleben. Musik und Märchen, Atmosphäre und Allegorie zu einer eigenen Komposition zusammenzufassen, ist ein gewagtes Unterfangen, das mehr als nur Einfühlsamkeit erfordert. Ein künstlerisches Ziel jedoch, für welches das märchenhafte Ambiente des Molsberger Pavillons sich in besonderem Maße eignet. Schon Cicero meinte Musik sei die Seele des Himmels.

Zwei Sinne gefordert

Beim Besuch des Pavillons sind gleich zwei Sinne gefordert: Hören und Sehen. So mag es dem Einen oder der Anderen gar 80 scheinen, als sei man beim Molsberger "Nachtstück" dem Himmel ganz nahe - wie auch immer man ihn definieren mag... Die Ausstellung ist noch bis Ende Mai im Pavillon zu besichtigen.

Weitere Presse zu Johannes Schlichting

 
Johannes Schlichting
Kölner Stadtanzeiger
19.10.2000 - Nr. 243

Bilder voller Erinnerung

Renate Roos

Die neue Galerie Walderdorff in der Südstadt zeigt junge zeitgenössische Kunst. Auftakt: Zeichnungen und Multimedia-Installationen von Johannes Schlichting, geboren 1968. In die Zeichnungen nimmt Schlichting die Wirkung von Musik hinein, macht sie sichtbar in Form "automatischer Bilder". Mittels Frottage kopiert er Oberkörper und Gesichter von bekannten und weniger bekannten Personen auf dass Papier.

Wo diese Durchreibungen enden, quellen und fließen Farben aus den Körpern heraus. Von der Musik geleitet, winden, schlängeln und wehen sie übers Papier. Da die Musik weder bekannt noch hörbar ist, wird der Besucher allein den Farbstimmungen überlassen, die jedoch mehr am Gegenständlichen kleben bleiben, als dass sie Assoziationen an Musik wecken. Den starken Einfluss von Musik auf Erinnerungen und Stimmungen verdeutlicht dagegen eine Installation in den Kellerräumen der Galerie.

Ihre Inszenierung versetzt den Besucher in eine surreale Kinderwelt. Beim Durchschreiten einer Lichtschranke beginnt ein Schaukelpferd zu Liedern von Fanny und Felix Mendelssohn Bartholdy auf und ab zu wippen. Beruhigend legt sich die selbstverständliche Leichtigkeit der Melodien wie Watte aufs Gemüt. Der Besucher beginnt, in Erinnerungen an eigene Kindertage zu schwelgen, die jedoch jäh von Gewaltdarstellungen an den Wänden unterbrochen werden.

„Fluff", so der Titel der Ausstellung, ist eigentlich die Bezeichnung eines Brotaufstrichs (made in USA), der lautmalerisch seine eigene Konsistenz beschreibt. „Fluff" beschreibt aber auch jenen Grenzbereich zwischen Traum, Erinnerung und Wirklichkeit, aus dem heraus die Arbeiten von Johannes Schlichting entstehen.

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Johannes Schlichting
Kölnische Rundschau
21.09.2000 - Nr. 220

Johannes Schlichting kreiert "Fluff"

Leicht wie Federn

Von Gabriele Breun

"Fluff" - eine neue Schokoriegelmarke? Eine avantgardistische Sitzgarnitur aus Schaumgummi? Ein brandaktueller Kunststil gar? Assoziationen dieser Art stellen sich ein beim Titel der Ausstellung von Johannes Schlichting (Jg. 1968 und Absolvent der Kunstakademie in Stuttgart), die in der neuen Südstadt Galerie Walderdorff gezeigt wird.

Seine "fluffigen" Exponate haben trotz ihres unterschiedlichen Mediums eine Gemeinsamkeit, die den Titel nahelegt: So wie das englische "fluffy" auf etwas Flaumiges, Marshmallowhaftes, Federleichtes hinweist, sind sowohl die zartbunten Zeichnungen wie auch die musikalische Installation und die kleine Videoarbeit von leichter, fast schwereloser und spielerischer Konsistenz. Die Zeichnungen: Das sind feine Buntstift-Portraits von Menschen aus dem Show-Biz wie Johnny Depp oder Anthony Perkins, aber auch von weniger spektakulären Gestalten aus der Presse. Ihre konkreten Körperlichkeiten gehen aus der Bildmitte heraus in eine amorphe Formenwelt über, um dort in ornamental-geschlossenen Schlieren zu Zwitterfiguren mutieren, die sie zu etwas Eigenem, Neuen machen.

Diese Leichtigkeit setzt sich im Untergeschoss fort, mit viel Bezug zur Biografie des Künstlers. Ein altes und in seiner Einfachheit anrührendes Schaukelpferd bewegt sich leicht zum Takt einer Melodie von Mendelssohn, die Schlichting auf dem Klavier eingespielt hat. Netter Gag: Die Musik wird beim Passieren einer Lichtschranke in Gang gesetzt, so auch das Holzpferd. Die Installation mit dem bezeichnenden Titel "Tune haunting" (Ohrwürmer) begleitet und verstärkt den Charakter der Zeichnungen in ihrer amorphen Schwerelosigkeit. Mit der vom Titel her irritierenden Videoarbeit "Parthenogenese" (in etwa: Jungfernzeugung), in der die reduzierten Bewegungen eines (leibhaftigen Säuglings) in rückwärts laufender Zeitlupe abrollen, entsteht ein reizvoller und stiller Kontrast zur Alltagshektik und verstärkt sich der Blick auf Wesentliches.

Also vielleicht doch eine neue Kunstrichtung - "Fluff" als die Kunst der leisen Töne und Andeutungen mit einem Hauch verträumter Ironie...

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Philipp Schönborn
Süddeutsche Zeitung
SZ Extra
19.08.2004, Nr. 191, S.7

SZ BUCH-TIPP

Ohne Licht kein Leben — und keine Kunst. Der Münchner Fotograf Philipp Schönborn hat die Auseinandersetzung mit dem Urquell menschlicher Kreativität zum zentralen Thema seiner Arbeit erwählt. Im Swiridoff Verlag ist ein großformatiger, wunderbar gestalteter Bildband mit dem Titel Licht erschienen, der seine Arbeit seit 1990, als der Kunst-Fotograf begann, sich ganz auf spirituelle Themen zu konzentrieren, dokumentiert. Reisen in Europa und nach Israel führten Schönborn zur Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Judentum, Christentum und Islam. Seine Arbeiten — großformatige Tableaus aus Leuchtkästen — suchen das Verbindende zwischen den Religionen. Seine Bildsprache ist spielerisch, ja, frech und voller Energie. Dabei geht es Schönborn auch um neue Ausdrucksformen für spirituelle Inhalte. (Das Museum für Fotografie in Berlin wird im Februar unter dem Titel „Heiliges Land" die wichtigsten Arbeiten zeigen). MSE

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Philipp Schönborn
Nassauische Neue Presse
18.12.1998

Ein Tempel himmlischer Weisheit

Von Gerhard Egenolf

Molsberg. Der sonst unscheinbare achteckige Pavillon an der Schloßallee dient jetzt als "Tempel der himmlischen Weisheit". Wer denkt, eine Sekte hätte sich auf Schloß Molsberg niedergelassen, der irrt. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Kunstwerk des Münchener Künstlers Philipp Schönborn, der mit seinem Lichtobjekt den Pavillon zum "Tempel" adelte. Acht blaue Neonröhren sorgen dafür, daß am Tag die Fenster einen bläulichen Schimmer tragen. Mit Einsetzen der Dämmerung wird das blaue Licht intensiver, umhüllt Pavillon und Allee in mystischem Schein. Schönborn, der sich als Photograph von Architektur und Gärten sowie zeitgenössischer Kunst einen Namen gemacht hat und sich seit 1990 mit Licht- und Farbkunst unter Einsatz verschiedenster Mittel beschäftigt, hat in den vergangenen Jahren seine Werke schon in zahlreichen Ausstellungen in Paris und München gezeigt.

Bei der offiziellen Vorstellung des Kunstwerkes und des Künstlers brauste ein Sturm durch die alte Lindenallee, die zahlreichen Gäste hatten Mühe, den Erläuterungen der Münchener Kunsthistorikerin Annette Philp zu lauschen. Sie erinnerte an die Entwicklung der Gartenarchitektur in früheren Jahrhunderten, die auch zu kleinen Tempeln in Gartenanlagen führte. Der Pavillon am Molsberger Schloß regte den 1943 in Prag geborenen Künstler Philipp Schönborn zu seiner Lichtkomposition an. Zum einen, weil die Zahl Acht als

mystische Zahl gilt, zum. Anderen die blaue Farbe, die in der Mystik ebenfalls eine besondere Bedeutung und Symbolik hat. Blau, das ist nicht nur die Farbe des Himmels, sie findet sich auch wieder in den religiösen Darstellungen von

Engeln und Heiligen. So wird der Erzengel Michael mit blauem Gewand dargestellt und auch die Gottesmutter Maria wird traditionell mit blauem Umhang dargestellt.

Ein "Abbild kosmischer Ordnung"

„Himmelsblau fällt aus den Fenstern des Gartenpavillons auf die Molsberger Schloßallee. In den Wintermonaten verwandelt sich das einstige Lusthaus in ein geistig geistliches Gebäude und behaust nun die Farbe der Ferne. Acht Ecken und acht Fenster und Türöffnungen machen den Pavillon zu einem Abbild kosmischer Ordnung. Der Fußboden mit seinem Schachbrett aus acht mal acht Feldern gibt dem Tempel sein Fundament auch den heiligen Zahlen der Unendlichkeit. Nach oben öffnet sich das getreppte Deckengesims über eine siebte Stufe aus blauem Licht zum Himmel. „Sophia, die weibliche Weisheit, breitet ihr Licht aus", so die Deutung der Kunsthistorikerin Annette Philp.

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Philipp Schönborn
Westerwälder Zeitung
Nr. 291, 15.12. 1998

Pavillon in Molsberg erstrahlt Tag und Nacht

Lichtpräsentation vor geistigem Hintergrund - Leuchtröhren machen Bauwerk von weitem sichtbar

Von Josef Otto Schneider

MOLSBERG. Um 17 Uhr, als es dunkelte, konnten die Gäste sehen, was ihnen bei der Eröffnungsfeier zwei Stunden zuvor von Annette Philp angekündigt worden war: Der Pavillon an der Schloßallee Molsberg strahlte, innen von blauem Licht erfüllt, in mildem Schein in den stürmischen Winterabend.

Die Lichtkomposition des Münchner Künstlers Philipp Schönborn sorgte für Aufsehen unter den Gästen, die sich zur Eröffnung der zweiten Präsentation des Pavillons als Kulturträger, gebeutelt von einem in den alten Bäumen der Allee heulenden Sturm, eingefunden hatten. Blaues Licht als die Farbe des Himmels und unseres Planeten, Farbe auch im Gewand der Madonna und St. Michaels - da war es nur ein kleiner Schritt zum Thema des Ereignisses, "Tempel der himmlischen Weisheit" .

Annette Philp, die in München beheimatete promovierte Kunsthistorikerin, führte die Teilnehmer, den Künstler an ihrer Seite, in die Lichtpräsentation ein, vermittelte einen Einblick in die kunstgeschichtliche Entwicklung der Bauten, um bei den Gärten des 18. Jahrhunderts als Teil einer übergeordneten Geistigkeit vorzudringen: Kleine, den Göttern geweihte Tempel waren zwangsläufig darauf angelegt, diese Stätten zu reflektieren. Der Molsberger Pavillon regte den Künstler Philipp Schönborn, nach dessen Entwürfen ein Altar in St. Michael zu Peiting/Schongau errichtet wird, zu einer Lichtkomposition an, wie sie bisher dort noch nie zu sehen war. Dabei erwies sich ihm der ungewöhnliche achteckige Grundriß als besonders reizvoll, zumal die Acht in der Zahlenmystik als Zahl der Unendlichkeit und geheimnisvoll gilt.

Im Zusammenwirken mit der Farbe blau präsentiert sich der Pavillon aus dem Jahre 1730 auf überaus geheimnisvolle Weise. Acht Leuchtröhren, dort angebracht, wo die Decke auf den Wänden aufzuliegen scheint, werden bis April bei Tag und Nacht erstrahlen und das schmucke Bauwerk von weitem sichtbar machen.

"Hausherr" Emmanuel Graf von Walderdorff: "Ich freue mich, daß der Pavillon stetig in seine Rolle als Kulturstätte hineinwächst. Die Ausstellungsreihe wird im kommenden Jahr fortgesetzt. "

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Julia Schrader
Kölnische Rundschau
22.03.2004, Nr. 69- S. 37-
 

Die schaurig- schräge Welt der Julia Schrader
Frechener Künstlerin lebt und arbeitet in einem Nebengebäude der Burg Bachem

Von Hanna StyrieFRECHEN. Ab und zu muss sich die Künstlerin Julia Schrader "vom Acker machen". Immer dann, wenn es ihr in ihrem Atelier in einem Nebengebäude der Burg Bachem zu eng wird und sie kurzzeitig Abstand braucht von den unheimlichen Zwitterwesen zwischen Mensch und Tier, von denen sie umgeben ist.Die Grenzen zwischen Wohnen und Arbeiten sind fließend in der die 36- Jährige  seit sechs Jahren lebt. "Das ist hier perfekt für mich", meint Julia Schrader und lässt den Blick zufrieden durch den ebenerdigen Raum schweifen, der ihr als "Versuchslabor" dient, wie sie schmunzelnd erzählt. Säuberlich verstaut in Kisten, Kästen und Schachteln stapeln sich hier die zahllosen Requisiten, die sie für ihre Arbeit braucht: Vogeleierschalen, Muscheln, kleine Schläuche und Spritzen, Zufallsfunde vom Wegesrand und vor allem jede Menge kleine Plastikpuppen und –tiere, die später Verwendung in detailreichen variablen Landschaften oder als Einzelobjekt finden.

Wie die Bildwelt eines Hieronymus Bosch

Ein komplettes Szenario aus zusammenmutierten Püppchen, Kleinobjekten und Fundstücken aus der Natur steht auf dem Tisch im Atelier und erinnert an eine traumatische Endzeit- Vision. Julia Schrader hat eine geradezu diebische Freude daran, Billigmaterialien zu verfremden und in einen neuen Kontext zu stellen. Nicht von ungefähr drängt sich der Gedanke an die Bildwelt eines Hieronymus Bosch auf, wenn man die abnormen, grotesken, mitunter bösartigen Gestalten betrachtet, denen die Künstlerin Hörner aufsetzt und Schwänze anklebt.Angefangen hat sie als Keramikerin, doch das "Töpferdrehen" wurde ihr bald zu langweilig. Irgendwann verließ sie "die funktionale Ebene" und begann, Kuscheltiere über und über mit weißen Porzellan- Stacheln zu besetzen. Ein dorniger Teddy gehört zu den ersten freien Arbeiten, die sie schuf und mit denen sie gleich erhebliches Aufsehen erregte. Auf Draht aufgereihte Stacheln formte sie später zu korsettartigen Kleidungsstücken, denen man ihre Materialität erst auf den zweiten Blick ansieht. In wochenlanger Kleinarbeit entstanden diese "Spitzenkleider", die durch ihre filigrane Ästhetik bezaubern, zugleich aber an mittelalterliche Folterinstrumente erinnern. Sie sei eben eine "Oberflächen- Fetischistin", gesteht Julia Schrader fröhlich, die zugleich eine manische Handarbeiterin ist. Das merkt man auch den jüngsten Arbeiten an. Frisch von einer Ausstellung ins Atelier zurückgekehrt ist ein lebensgroßer Frauenkörper mit Saurierkopf, der von vielen kleinen "Engeln" mit langen scharfen Lanzen traktiert wird. Der komplette Leib ist mit Melonenkernen gepanzert- eine Arbeit von vielen Wochen, die Julia Schrader allerdings mit Wonne verrichtet. Lange Zeit hat sie auch das Baby beschäftigt, das mit schreckgeweiteten Augen auf den Krokodilskopf mit den spitzen Zähnen blickt, der aus seinem Arm herauswächst. Den Körper hat Julia Schrader mit roten Linsen beklebt.

Damit ihr die Zeit dabei nicht lang wird, legt sie sich Hörbücher auf oder lässt sich von Freunden vorlesen. Dass die Platzverhältnisse beschränkt sind, stört sie nicht im geringsten: "Das Arbeiten auf kleinem Raum hat eine besondere Konzentration", meint sie, "außerdem kann ich im Sommer auch vor oder hinter dem Haus arbeiten". Den Brennofen hat sie unter der Treppe plaziert, direkt daneben steht die alte Anker- Nähmaschine, die ihr die Großmutter vererbt hat. Auf dem Küchentisch eine Etage höher arbeitet sie an den Farbstiftzeichnungen, die oft "pervertierte Märchen" erzählen.

Wenn sie eine Pause braucht, kuschelt sie sich auf die breite Fensterbank und blickt ins Grüne: "Das hier ist so etwas wie eine Enklave, in die ich mich zurückziehen kann." Die Selbstdarstellung liegt ihr nämlich überhaupt nicht: "Ich liebe meine Arbeit, alles andere überlasse ich meinem Galeristen." Meistens ist sie gleichzeitig mit verschiedenen Dingen beschäftigt. "Ich habe mehr im Kopf, als ich verwirklichen könnte", sagt Julia Schrader zufrieden.

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Julia Schrader
Kölnische Rundschau
14.01.2004, Nr. 11
  Angriff der bösen Engel

Galerie Walderdorff zeigt Julia Schrader

von Hanna Styrie

Nur zögernd nähert man sich den drei Missgeburten. Voller Entsetzen blicken sie auf die Krokodilsköpfe mit den spitzen Zähnen, die aus ihren Armen herauswachsen. Albtraumhafte Züge trägt die Objektgruppe von Julia Schrader in der Galerie Emmanuel Walderdorff.

Zum zweiten Mal präsentiert er in einer Einzelausstellung die 36-jährige Künstlerin, deren Wesen eine Mischung aus Entsetzen und Mitleid auslösen. Es berührt, wie sehr sich diese tragischen Gestalten körperlich gegen ihr Schicksal auflehnen. Die naturalistischen Körper mit den sorgsam ausgeformten Gliedmaßen hat Julia Schrader mit roten Linsen überzogen. Orangerot setzt sie an die Stelle des gewohnten Babyrosa der kindlichen Leiber und verstärkt so den Anschein eines aussichtslosen Kampfes.

Eine weitere Großskulptur, ein Frauenkörper mit Saurierkopf, windet sich auf dem Boden und versucht verzweifelt den Angriff vieler kleiner "Engel" abzuwehren, die sie mit langen scharfen Lanzen traktieren. Der mit Melonenkernen gepanzerte Körper ist den geflügelten Quälgeistern indes rettungslos ausgeliefert. Zwischen Ekel und Bedauern schwanken die Gefühle, die man diesen Hybriden entgegenbringt, die die Künstlerin in einen erzählerischen Kontext stellt. Eine Reihe von Farbstiftzeichnungen, die ihr als Vorstudien dienen, aber auch als eigener Werkkomplex bestehen können, ergänzt die Schau auf sinnfällige Weise. Eine komplettes Szenario entwirft Julia Schrader, indem sie eine Vielzahl von zusammenmontierten Püppchen, Kleinobjekten und Fundstücken aus der Natur zu einer variablen Fantasielandschaft zusammenstellt, die zwischen Evolution und traumatischer Endzeit-Vision changiert.

"Freak-Show" hat der Galerist das hintergründige Tableau um einen Trupp weißer und schwarzer Monster betitelt, die Schrader mit bemerkenswertem Einfallreichtum aus herkömmlichem Plastikspielzeug geschaffen hat. Die Zeichnungen kosten 400 Euro, die große Skulptur 7500 Euro.

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Julia Schrader
Kölner Stadtanzeiger
08.11.2003
  Seltsame Echsen ringen um ihre Existenz

Emanuel von Stein

Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick aussieht Julia Schrader stellt in der Galerie Walderdorff aus.

Unter der Oberfläche dieser Objekte tun sich Abgründe auf: Das leichte Hemd, das beinahe schwerelos auf einem Bügel hängt, besteht tatsächlich aus einer Vielzahl unglasierter Porzellanspitzen, die die gebürtige Düsseldorferin in ein Gewebe eingeflochten hat. Ist das der reizvolle Stoff, aus dem die Albträume sind? Oder sind es Schraders hybride Kreaturen? Ein weiblicher Körper mit Echsenkopf windet sich am Boden; denn etliche kleine Putten versuchen gerade, die aus einer Vielzahl von roten, überlackierten Melonenkernen bestehende Schuppenhaut des merkwürdigen Wesens zu durchstoßen.

Auch die daneben liegenden Figuren ringen mit ihrer Existenz: Kindliche Erscheinungen, denen Echsenköpfe aus den Armen wachsen und deren Haut aus Tausenden von Linsen besteht, scheinen sich ihrer hybriden Existenz bewusst zu sein. Anders als das Wesen an ihrer Seite haben sie Augen, in denen sich der Schrecken spiegelt. Diese Geschöpfe mögen Ausdruck einer übersteigerten Fantasie der Künstlerin sein, sie können aber auch als Aufschrei alles Wesenhaften in unserer Gesellschaft verstanden werden.

In einer Fantasielandschaft inszeniert Schrader schließlich mit Fundstücken (Wespennester, Mäuseknochen und demontierte Püppchen) eine Freak-Gesellschaft, wie sie vielleicht ein moderner Hieronymus Bosch geschaffen hätte. Auf Zeichnungen (Farbstift auf Papier) verlieren solche Figuren etwas von ihrem Schrecken.

Weitere Presse zu Julia Schrader

 
Julia Schrader
Kunstforum, Band 157
Nov.-Dez. 2001, S. 348-350
  Transgene Kunst: Klone und Mutanten

Von MARCUS LÜTKEMEYER

Julia Schrader - Fiktive Haut - Kunstverein Arnsberg, 12.8. - 23.9.2001

Mit einer Fläche von 1,5-2 qm und einem Gewicht von bis zu 10 kg bildet die Haut das größte Organ des menschlichen Körpers. Als eine Art Interface filtert, reguliert und fördert sie die Kommunikation mit der Außenwelt und begrenzt zugleich das Selbst räumlich. Denn aus der Hülle des Körpers können wir höchstens sprichwörtlich herausfahren.

Erst die Kleidung ermöglicht es uns, wechselnde Erscheinungsformen anzunehmen, aber auch den Blick auf das Innere zu verstellen. Bereits im 19. Jahrhundert offenbarte sich hier ein Paradoxon das Kleidung einerseits aIs psychologischen Ausdruck innerer Gefühlslagen deutete und unter dem Begriff „Ethologie" eine Wissenschaft vom menschlichen Charakter als Ableitung des äußeren Erscheinungsbildes begründete. Anderseits wuchs mit Einführung der Konfektionskleidung ein öffentliches Bedürfnis, sich unauffällig und damit so geheimnisvoll, so unverletzlich wie möglich zu gestalten. Doch gerade mit wachsender Einförmigkeit der Körperbilder wurde das Äußere zunehmend als Hinweis der Persönlichkeit fokussiert. Dagegen betreibt die Gegenwart einen exzessiven Körperkult. Denn unsere im visuellen Schein verhaftete Kultur mit ihren allgegenwärtigen Bildschirmen hat nicht nur neue Wahrnehmungsformen eingeführt, sondern die Oberflächenabwicklung zur Strategie von Weltaneignung stilisiert. Potenziert durch mediale Techniken vermag der Zeitgenosse durch virtuelle Identitäten zu zappen und Körper als Avatare im Gigaherztakt zu wechseln. Dennoch erscheint es nach wie vor unmöglich, der eigenen Verkörperung zu entkommen.

Dass zur Welt- (und Selbst-)Betrachtung auch stets ein Körper eingenommen werden muss, verbildlicht Julia Schrader derzeit im Arnsberger Kunstverein auf sehr sinnliche und intime Weise. Dabei geht es der jungen Künstlerin vornehmlich um die Problematik von innen und außen, um die Wechselwirkung zwischen dem Individuum mit seiner inneren Welt von Gedanken, Bedürfnissen, Leidenschaften und Träumen und seinem Außenbild. So inszeniert Schrader unter dem programmatischen Titel "Fiktive Haut" ein ebenso verlockendes wie verstörendes Panoptikum, dessen lebensgroße, anthropomorphe Mischwesen Besitz von der Ausstellungsräumen ergreifen. Gesampelt aus naturalistisch geformten, menschlichen Körpern und überdimensionierten Tierköpfen, werden die Chimären von der Künstlerin wie selbstverständlich in die Realität eingearbeitet. Sie sind auffällig, aber unaufdringlich. Auch wenn diese Figuren einer eher absurden Phantasiewelt entsprungen scheinen, wirken sie doch merkwürdig vertraut. So gruppiert Julia Schrader ihre Mischwesen mit dramaturgischem Kalkül paarweise zu Ensembles, die Szenen und Rituale aus dem Reich zwischenmenschlicher Beziehungen nachstellen: Ein Echsenmann belauert mit kraftvoll gespanntem Körper eine Artgesellin. Eine Wolffrau turnt ungelenk vor einer Häsin und ein Salamander beäugt sich keck im Spiegel, wobei er sein Abbild mit miche!angeleskem Zeigegestus ironisch zu beseelen scheint. Schräg daneben kauert eine langschnäblige Vogelfrau in sich versunken auf einem Trapez.

Wie für den Moment der Betrachtung erstarrt, verharren die Hybriden in ihren energiegeladenen Posen und erzeugen als instabile Kippfiguren eine irritierende Spannung. Handelt es sich doch durchweg um äußerst scheue Kreaturen, deren labiler Status zwischen einem Vorhandensein in Absenz und einem Fehlen in Anwesenheit liegt. Dagegen erschwert ihre emotionale Präsenz eine distanzierte Betrachterposition. Denn die nahezu klassisch skulpturale Anmut der einzelnen Figur verleitet nicht nur zum (geistigen) Berühren, sondern regt zugleich an, die aufgeführten Geschichten weiterzuspinnen, aber auch mit eigenen Vorstellungen zu korrelieren. Dabei vermitteln die konfektionsartig gestalteten, homogenen Oberflächen der tragischen Gestalten wesentliche dramaturgische Aspekte. So befindet sich die Wolffrau in dem Dilemma, ihr Fell verloren zu haben und verrenkt sich in ihrer miederfarbenen Spitzenunterwäsche schutzlos auf einem Stuhl - während die Hasenfrau ihr gegenüber in ein fremdes, raubtierartig gemustertes Fell gehüllt ist und auf einem Hocker sitzend nicht nur räumlich eine höhere Position eingenommen hat. Hingegen sind Echsen- und

Salamandermann, aber auch die Vogelfrau mit komplexen Häuten aus akribisch aufgetragenen Hülsenfrüchten und Samen überzogen. Obwohl die grob gepixelten Texturen authentische Oberflächenbeschaffenheiten vortäuschen, erheben die Arbeiten keinen Anspruch auf mimetische Wiedergabe. Vielmehr vermitteln sie eine nahezu pathologische Disziplin im doppelten Sinn - bewahrt sie doch die Wesen beständig vor Selbstverzehrung. Auch die Echsenfrau scheint inneren und äußeren Trieben ausgeliefert. So verharrt sie im tabuisierten Zwiespalt autoerotischer und sexueller Verlangen, die ihr "Fell" aus genopptem, inkarnatfarbenem Silikon unangenehm stimulieren und zugleich bloßzustellen vermögen.

Weitaus weniger hautfreundlich und geschmeidig erweisen sich drei von der Decke hängende Kleider. Denn ihr Stoff ist aus unglasierten Porzellanspitzen gewebt, die Julia Schrader in wochenlanger Detailarbeit in ein Drahtgefüge eingeflochten hat. Indem die ebenso aggressiven wie fragilen Stacheln mal nach innen mal nach außen gerichtet sind, erinnern die schwerelos schwebenden Dirndl- und Blumenkleider nicht nur an Skelette organischer Strukturen, sondern auch an mittelalterliche Folterinstrumente. Zwischen filigraner Ästhetik und verletzendem Habitus pendelnd erzeugen diese "Spitzenkleider" eine kokonartige Intimität, die den Betrachter auf sich selbst reflektieren lässt - als Individuum und Individualist. Dabei impliziert das spröde Material eine Porosität, die vorgibt, das Gedankenkorsett aufbrechen zu können. Vor schmerzhaften Schürfungen sei gewarnt.

Als eine Art Ausgleich zur manischen Handarbeit dienen der Künstlerin kleine, aus handelsüblichem Kunststoffspielzeug zusammenmutierte groteske Püppchen, deren einzelne Bauteile unter pastosen Lackschichten zu homogenen Körpern verschmelzen. Wie Preziosen exponiert, bevölkern 20 dieser schrägen, mitunter bösartigen Homunkuli den Vorraum und illustrieren plastisch einen schrillen Comic aus Versatzstücken abendländischer Kulturgeschichte. Dabei wollen die Mutanten weniger im tagespolitischen Gendiskurs menetekeln, als vielmehr vom schelmischen Spaß der Künstlerin an der Verbildlichung verspielter und krauser Phantasiewelten zeugen.

Auch wenn die Arbeiten von Julia Schrader in der Übersicht eine kaum durchdringbare Intimität auszeichnet - was nicht zuletzt Assoziationen wild wuchern lässt - scheint unter den Materialschichten stets ein poetisches Verständnis von Haut durch, das eine wohltuende Alternative zur zeitgenössischen Oberflächenabwicklung zeitigt. Denn prophezeit der australische Perfonmance-Guru Stelarc künftige evolutionäre Entwicklungen abhängig von einer Synthetisierung der Haut, um den dann hohlen Körper effektiveren technologischen Komponenten als Wirt zur Verfügung zu stellen, hält es Julia Schrader eher wie Paul Valery - dass die Haut das Tiefste ist, was der Mensch besitzt.

Weitere Presse zu Julia Schrader

 
Julia Schrader
Julia Schrader
Mendener Zeitung
15.08.2001
  Schräge Wesen

KUNST Werke von Julia Schrader im Kunstverein Arnsberg: "Fiktive Haut"

Von Matthias Weiß

ARNSBERG • Nein, das ist nicht die Agonie des amphibischen Ungeheuers, mit dem Jack Arnold in seinem B-Movie "Der Schrecken vom Amazonas" in den 50er Jahren und in 3D die Horror süchtigen Massen begeisterte.

Das Wesen, das auf allen Vieren über den Boden des Kunstvereins Arnsberg kriecht, ist der "Echsenmann" von Julia Schrader. Die gebürtige Düsseldorferin hat die Räume seltsamen Hybriden belebt. Einige sind - wie der Echsenmann und sein weibliches Pendant - annähernd so groß wie ein Mensch. Im ersten Raum hingegen sieht man amüsante Petitessen, kleine Figuren, die ihren Ursprung aus den Regalen einer Spielzeugladen-Kette geschickt verbergen.

Bewegliche Drahtskelette

So wild die Fantasie der Künstlerin wuchert, so vielfältig sind die