ABSTRAKT

Frank Ahlgrimm / Pedro Boese / Vanessa Henn / Philipp Schönborn / Charlotte Schnabl

Wenn die Emmanuel Walderdorff Galerie an den diesjährigen Salzkammergut Festwochen zum zweiten Jahr
in Folge das ehemalige Sägewerk Rumplmayr in Neukirchen als Kunstort in Anspruch nimmt, dann knüpft
sie dieses Mal an etwas an, was durch das vorangegangene Projekt an diesem Ort entstanden ist: Letztes
Jahr um diese Zeit arbeiteten sechs Künstler/innen vor Ort und es gelang ihnen den charakteristischen
Raum zu besetzen und ihm eine neue Bedeutung als Kunstraum zu geben.
Dieses Jahr sollen die Früchte dieser Umdeutung geerntet werden, indem mit der Ausstellung von
abstrakten Positionen, die keinerlei Bezüge zu der Umgebung schaffen, jene neu gestiftete Identität des
Raumes auf den Prüfstand kommt. Mit seiner einzigartigen Architektur dient das Sägewerk jetzt als
Projektionsraum für ganz und gar autonome Kunst und muss seine musealen Qualitäten unter Beweis
stellen. Die spannende Bewährungsprobe für das Sägewerk wird gleichzeitig für die abstrakten
Kunstwerke eine außergewöhnliche Konfrontation mit einem Raum bedeuten, der sich mit seinem
starken Charakter nicht widerstandslos unterordnet. Dass diese Symbiose gelingen kann, möchte
Emmanuel Walderdorff zusammen mit den Künstlern und Künstlerinnen Vanessa Henn (Objekt, Collage),
Charlotte Schnabl (Zeichnung/Objekt) , Frank Ahlgrimm (Malerei), Pedro Boese (Radierung/ Malerei) und
Philipp Schönborn (Fotografi e) unter Beweis stellen
Der Fotograf Philipp Schönborn entdeckt in seinen bewährten Serie die Verwandtschaft zwischen
Wegmarkierungen und poetischer Malerei, indem er die unkonventionellen Bildträger – Steine und
Bäume - und die naturbedingte Verwitterung als Zeichen der Symbiose zwischen Mensch und Natur in
den Mittelpunkt stellt.
Frank Ahlgrimm, dessen malerische Werke im Allgemeinen die verschiedensten Techniken verbindet,
verursacht auf seinen Leinwänden Kollisionen zwischen dicken Schichten von Ölfarbe und fi ligranen
Strukturen in Sprühfarbe. Eine klare Trennlinie zwischen dem Stoffl ichen und der Illusion markiert die
Unvereinbarkeit zweier unterschiedlicher Begriffe von Raum und Tiefe.
Auch beim geometrischen Formenspiel von Pedro Boese ist der Widerstreit zwischen den
Modi ein zentrales Motiv – seine Gitterstrukturen erwecken den vordergründigen Eindruck von
Wiederholung und verweisen auf die Unendlichkeit. Durch Segmentierung und den Eingriff an den
einzelnen Formen arbeitet er dagegen und beweist die Möglichkeit von Individualität in gleichförmigen
Strukturen.
Charlotte Schnabl nutzt das Medium der Zeichnung als Denkform und Sprache und engagiert sich
als Übersetzerin von Eindrücken anderer Sinne in einen visuellen Modus auf Papier, MDF oder in die
dreidimensionale Holzfi gur. Die Objekte die dabei entstehen können auf wundersame Weise etwas sichtbar
machen, das dem Auge vorenthalten war.
Auch bei Vanessa Henns Arbeit geht es vorrangig um Wandlungen. Diese stößt die Künstlerin an, indem
sie Gegenstände aus der Lebenswirklichkeit als Material nimmt und sie in einem künstlerischen Prozess
der Veränderung und Umdeutung von ihren ursprünglichen Funktionen löst. So überführt sie konkrete
Gegenstände in den Status des abstrakten Objekts und erschafft auf diese Weise mit jedem Werk eine neue
Daseinsform.
Genauso will die Galerie letztlich in diesem Jahr mit dem Sägewerk einen Prozess zur Vollendung bringen.
So soll die alte Halle mit Hilfe dieser fünf künstlerischen Positionen endgültig sein Gütesiegel als
Kunstraum erhalten und sich als solcher auch für die Zukunft etablieren.