bubblestereo

Bodo Rott (Monotypie) & Frank Herzog (Skulptur)

Eröffnung: Sonntag, den16. Juni 2019, 14 Uhr

Ausstellungsdauer: 17.06. bis 30.06.2019

Wenn die Rede vom Menschenbild ist, dann denken wir an ein Abstraktum aus Hoffnungen und Erwartungen, das jeder von uns in seinem Inneren ausbildet um es auf die eigene Spezies anzuwenden. In der gegenständlichen Kunst kann der gleiche Begriff jedoch auch seine direkte Bedeutung entfalten. Die Menschenbilder von Bodo Rott und Frank Herzog, welche die Emmanuel Walderdorff Galerie für die kommende Ausstellung zusammenbringt, ziehen ihren Reiz auch aus dem abstrakten Wortsinn und greifen spielerisch zurück auf die damit verbundenen, stereotypischen Vorstellungen. Zunächst aber sind sie genau das was sie wörtlich versprechen: Bilder von Menschen, in Monotypie und Skulptur.
Obwohl die Arbeit von Rott und Herzog vor allem in stilistischer Hinsicht wenig Verwandtschaften aufzeigt, treffen sie doch auf einer sinnlichen Ebene den gleichen Ton. Es ist der unkonventionelle Blick auf die nicht unmittelbar sichtbaren Seiten des menschlichen Wesens - auf den nie versiegenden Spieltrieb und die Poesie der Zufälligkeiten - der sie verbindet. Das Sujet, bei dem sie sich in unserer Ausstellung darüber hinaus treffen, spiegelt diesen gemeinsamen Nenner in allerbester Leichtigkeit: Beide gezeigten Serien beschäftigen sich mit musizierenden Kindern und deren Vorstellung von Musikfreuden.

Bodo Rott hat mit seinen Nichtkinderkindern einen eigenen Figurenkosmos erschaffen, in dem sich seine Erfahrungen und Erinnerungen, sowie seine Ideen über die Malerei widerspiegeln. Es sind alleinerziehende Kinder, die frei von elterlicher Vormundschaft und kraftvoll in einer archaischen Welt agieren, in der sich Vision und Realität mischen – ein Zustand der dem tatsächlichen Innenleben und der Wahrnehmung eines Kindes in vielen Situationen entsprechen dürfte. Die kindlichen Körper werden demgemäß von sehr erwachsenen Gesichtern kontrastiert, aus denen individuelle Erfahrungen ebenso wie der eigenverantwortliche Umgang mit ihnen sprechen. In der von uns gezeigten Monotypie-Serie „bubblestereo“ von 2017 findet der Künstler nach einem zweijährigen Ausflug in die Pflanzen- und Tierwelt in diesen Kosmos zurück. Seine Akteure machen es sich zur Aufgabe aus allen erdenklichen Fundstücken Musikinstrumente zu basteln, um auf diesen voller Inbrunst zu musizieren. In seinen Monotypien virtuos von Malerei zur Zeichnung und zurück wechselnd, lässt Bodo Rott irritierende Bildwelten wuchern und schöpft den experimentellen Charakter der Technik variantenreich aus. Dass die Monotypie eine Druckgrafik mit der Auflage „Eins“ ist, diese Widersprüchlichkeit wirft durchaus ein Licht auf Bodo Rotts hintergründigen Humor. Ergänzt wird diese Serie mit Stillleben weiterer fantasievoller Musikinstrumente.

Frank Herzogs Blick auf den Menschen ergibt sich häufig erst auf dem Umweg über seine direkte, und oft unscheinbare Umwelt. Er widmet sich den kleinen Dingen, die uns täglich umgeben und die in ihrer selbstverständlichen Existenz oft nicht mehr wahrgenommen werden. So treten in seinem bildhauerischen Werk neben Mensch und Tier ganz gleichberechtigt die Plus-Plastiktüte und die Leimrollen-Fliegenfalle in Erscheinung. Durch die Umsetzung in Skulpturen erfahren solche Dinge eine neue Wahrhaftigkeit. In seiner neu entstandenen Serie „Laufender Trompeter“ modelliert der Künstler nun zehnmal den gleichen Jungen, der mit seiner Trompete auf und davon rennt, als wäre er auf der Flucht oder ganz eilig zum nächsten Konzertauftritt. Das Augenmerk liegt auf der Bewegung und Haltung des Kindes, die von Figur zu Figur leicht variiert. Im Gegensatz zu Rotts improvisierten Instrumenten, hält der Junge außerdem eine wertvolle Trompete, deren Wert Frank Herzog unterstreicht, indem er sie im Unterschied zur restlichen Figur nicht bemalt sondern in Blattgold hüllt.  Herzog fängt hier einen Moment ein, der im Grunde von seinem erzählerischen Gehalt so flüchtig ist wie der rennende Junge selbst. Durch die serielle Wiederholung ergibt sich jedoch der Charakter einer Studie, und somit auch der Eindruck der besonderen Denkwürdigkeit.

Wir freuen uns ganz besonders, dass Frau Cornelia Blanche zusammen mit ihren Schülern und Schülerinnen der Domsingschule Limburg unsere Ausstellung musikalisch eröffnen werden.